[Rezension] Kleiner segeln, größer leben. DIGGER Hamburg (Stephan Boden)

Geschreiben von Danielaauf29. September 2013 in Rezensionen |

Segeln. Sofort hat mein ein Bild vor den Augen: Strahlend blauer Himmel, Sonne, sich kräuselnde Wellen, Gischt, sich blähende Segel, majestätische Maste, die in den Himmel ragen. Und an Bord ein alter Seebär, der zufrieden dem Horizont entgegenfährt. Seefahrerromantik pur. Die harte Realität hält dagegen: Tage ohne Wind, Tage mit zu viel Wind, Tage mit ein wenig Regen, Tage mit viel Regen, Tage mit Wind aus der falschen Richtung. Und meistens kann man dann nicht segeln. Die Lektion, die man beim Segeln lernt: Was sind schon Pläne?
Genauso ergeht es Stephan Boden, der in seinem Buch DIGGER Hambug von seiner geplanten, mehrmonatigen Segeltour erzählt. Und was aus den Plänen wurde. Vor der ganzen Reise standen jedoch eine Menge Veränderungen an, persönlich wie beruflich. Die für das Segeln größte (oder kleineste) Veränderung war wohl der Kauf von DIGGER, einer Varianta 18, also einem Boot, das nicht ganz sechs Meter misst. Vom Bug bis zum Heck. Und mit dieser “Nussschale” soll es vier Monate über die Ostsee gehen, Richtung Dänemark und Schweden. Und das nicht allein, nein, zwei Erwachsene und ein Hund (eine Hündin namens Polly, um korrekt zu sein) stellen die Crew. Klingt wie ein verrücktes Unterfangen? Ist es vielleicht auch, aber eines, das Spaß macht. Das wird bei der Lektüre des Reiseberichtes mehr als deutlich.
Mit Schirm, Charme und sympathischer Hamburger Schnauze erzählt Stephan Boden von den Monaten auf See, von netten und weniger netten Begegnunge im Hafen, von herrlichen Sommersegeltagen, dem Schicksal der Eingewehten und was einem sonst noch so passiert. An seinen Erzählungen merkt man, dass er ein Segler mit Leidenschaft ist, der viel Erfahrung hat und auch weiß was er tut. Lieber man einen Tag länger im Hafen bleiben, als sich und seine Mitsegler Kathleen und Polly in Gefahr zu bringen. Seinen kompletten Trip hat Boden sowohl auf Facebook als auch auf seinem Blog dokumentiert und Teile diese Berichterstattung sind mit in das Buch eingeflossen. Und für die Leser, die noch mehr wollen, gibt es noch QR-Codes, über die per Smartphone oder Tablet zusätzliche Bilder und Videos abgerufen werden können.

Fazit:
Ich bin eher durch Zufall auf das Buch gestoßen, aber da ich große Teile des Sommers 2013 segelnd (eher auf bayrischen Seen als auf dem Meer) verbracht habe, musste ich es einfach lesen. Und die Vorankündigungen haben nicht zu viel versprochen. ich bin begeistert und wäre nach einigen Seiten und Fotos am liebsten selbst auf große Fahrt gegangen oder zumindest sofort wieder auf ein Segelboot gestiegen. Und auch das Prinzip des Downsizing ist wunderbar und stimmt: Wozu den Luxus von Daheim mit in den Urlaub nehmen, wenn man doch auch mit viel weniger auskommt, sich so wieder auf sich selbst und das Wichtige im Leben besinnen kann? Daumen hoch und fünf Wollknäuel (sollten eher Segelschiffe sein) von mir. Ein extra Sternchen gibt es noch für die zuckersüße Polly, in die man sich einfach vergucken muss.

 

 

Stephan Boden: Kleiner segeln größer leben. DIGGER Hamburg
Delius Klasing, 2013
224 Seiten

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